Den Gewinn eines Shopify-Shops berechnest du vom Bruttoumsatz aus: Retouren und Umsatzsteuer abziehen ergibt den Nettoumsatz, davon gehen Wareneinsatz, Logistik, Zahlungsgebühren, Marketing und Fixkosten ab. Shopifys eigene Berichte decken vor allem die Umsatzseite ab; Versand, Gebühren, Werbung und Fixkosten kommen aus anderen Quellen und müssen dazugerechnet werden.
Shopify zeigt sehr genau, wie viel ein Shop verkauft hat. Wie viel davon übrig bleibt, zeigt es nicht, denn die Hälfte der Kosten steht gar nicht in Shopify: der Versand, die Zahlungsgebühren, die Werbung und die Fixkosten. Den echten Gewinn zu berechnen heißt deshalb, vom Umsatz aus Schritt für Schritt alles abzuziehen, was ein Shop bezahlt, in einer festen Reihenfolge und mit klaren Regeln, an welchem Tag welche Zahl gebucht wird. Dieser Artikel geht die neun Schritte durch, rechnet einen Beispielmonat und zeigt die Fehler, die die meisten Tabellen nach ein paar Monaten unbrauchbar machen.
In short
- Schritte 1 bis 3: Warenwert, minus Preisnachlässe und Rabattcodes, plus Versanderlöse ergibt den Bruttoumsatz.
- Schritte 4 und 5: minus Retouren am Tag der Erstattung, minus Umsatzsteuer ergibt den Nettoumsatz.
- Schritt 6: minus Wareneinsatz ergibt den DB1.
- Schritt 7: minus Logistik und Zahlungsgebühren ergibt den DB2.
- Schritte 8 und 9: minus Marketing ergibt den DB3, minus Fixkosten das EBITDA.
Schritt 1 bis 3: vom Warenwert zum Bruttoumsatz
Der Ausgangspunkt ist der Warenwert aller Bestellungen, die nicht storniert wurden, zu den ursprünglichen Preisen. Davon gehen die Preisnachlässe ab, also die Differenz zwischen Vergleichspreis und Verkaufspreis, und die Rabatte aus Rabattcodes und automatischen Rabatten. Hinzu kommen die Versanderlöse, die Kunden bezahlt haben, nach Versandrabatten. Das Ergebnis ist der Bruttoumsatz, noch mit Umsatzsteuer. Gutscheinverkäufe gehören nicht dazu: Ein verkaufter Gutschein ist eine Verbindlichkeit und wird erst zum Umsatz, wenn er eingelöst wird.
Schritt 4 und 5: Retouren und Umsatzsteuer
Von diesem Bruttoumsatz gehen die Retouren ab, und zwar am Tag, an dem die Erstattung gemacht wurde, nicht am Tag der ursprünglichen Bestellung. Wer Retouren auf den Bestelltag zurückbucht, ändert damit Monate, die schon abgeschlossen waren, und kann zwei Monate nie fair vergleichen. Danach wird die Umsatzsteuer herausgerechnet, die in den Preisen steckt. Sie wird an das Finanzamt abgeführt und war nie Umsatz des Shops. Was übrig bleibt, ist der Nettoumsatz, und auf ihn beziehen sich alle Prozentzahlen weiter unten.
Schritt 6: Wareneinsatz und DB1
Vom Nettoumsatz geht der Wareneinsatz ab: der Einstandspreis jedes verkauften Stücks, so wie er am Tag der Bestellung galt. Kommt ein retournierter Artikel zurück ins Lager, wird sein Einstandspreis am Tag der Erstattung wieder gutgeschrieben. Das Ergebnis ist der erste Deckungsbeitrag, der DB1. Wie man ihn für ein einzelnes Produkt durchrechnet, mit Versand, Verpackung und Gebühr, steht im Artikel zum Deckungsbeitrag eines einzelnen Produkts.
Schritt 7: Logistik und Zahlungsgebühren
Als Nächstes kommen die Kosten, die jede Bestellung verursacht: Versandetikett, Pick and Pack, Verpackung, die Bearbeitung von Retouren und die Gebühren der Zahlungsanbieter. Die Versandkosten stehen auf den Rechnungen des Paketdienstes, die Zahlungsgebühren werden vor der Auszahlung abgezogen. Was Shopify Payments und andere Anbieter je Zahlung nehmen, zeigen die Shopify Gebühren im Überblick. Nur die allergrößten Händler zahlen bei Paketen nach Österreich zusätzlich die österreichische Paketsteuer; für fast jeden Shopify-Shop fällt sie nicht an. Nach diesem Schritt steht der DB2.
Schritt 8 und 9: Marketing und Fixkosten
Dann kommt das Marketing: die Ausgaben bei Meta, Google, TikTok und allen anderen Kanälen, jeweils am Tag, an dem sie ausgegeben wurden, dazu Influencer und Affiliates. Nach diesem Schritt steht der DB3. Zuletzt gehen die Fixkosten ab: das Shopify-Abo, Apps, Gehälter, Miete, Software und Dienstleister. Laufende Fixkosten werden gleichmäßig auf die Tage verteilt, ein Monatsbetrag also mit zwölf multipliziert und durch 365 geteilt; einmalige Kosten zählen am Tag, an dem sie anfallen. Was danach bleibt, ist das EBITDA, der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
Ein Monat als Beispiel
Ein Shop mit €130.000 Warenwert in einem Monat, alle Preise inklusive 19% Umsatzsteuer. Die Tabelle zeigt jeden Schritt in Euro und, ab dem Nettoumsatz, als Anteil am Nettoumsatz.
| Schritt | Betrag | Anteil am Nettoumsatz |
|---|---|---|
| Warenwert | €130.000 | 138,1% |
| Preisnachlässe und Rabattcodes | −€10.000 | 10,6% |
| Versanderlöse | +€4.000 | 4,2% |
| Bruttoumsatz | €124.000 | 131,7% |
| Retouren | −€12.000 | 12,7% |
| Umsatzsteuer | −€17.882 | 19,0% |
| Nettoumsatz | €94.118 | 100,0% |
| Wareneinsatz | −€37.000 | 39,3% |
| DB1 | €57.118 | 60,7% |
| Logistik | −€7.600 | 8,1% |
| Zahlungsgebühren | −€2.400 | 2,5% |
| DB2 | €47.118 | 50,1% |
| Marketing | −€23.000 | 24,4% |
| DB3 | €24.118 | 25,6% |
| Fixkosten | −€15.000 | 15,9% |
| EBITDA | €9.118 | 9,7% |
Von €130.000 Warenwert bleiben €9.118 EBITDA, 9,7% des Nettoumsatzes. Die größten Sprünge liegen nicht dort, wo man sie zuerst sucht: Umsatzsteuer und Retouren nehmen zusammen €29.882, bevor überhaupt eine Kostenposition des Shops beginnt. Die Stufen DB1, DB2 und DB3 machen sichtbar, welche Kostenfamilie das Ergebnis trägt und welche es frisst; die Deckungsbeitragsrechnung mit DB1, DB2 und DB3 erklärt, wie man sie von Monat zu Monat liest.
Wo Shopifys Berichte aufhören
Shopifys Berichte zeigen Bruttoumsatz, Rabatte, Retouren, Steuern und Versanderlöse sehr genau. Einen Bruttogewinn zeigen sie, wenn bei jeder Variante die Kosten pro Artikel gepflegt sind; Verkäufe ohne Kosten fallen aus dieser Rechnung heraus. Was in keinem Shopify-Bericht steht, sind die Versandkosten des Paketdienstes, die Gebühren von PayPal und Klarna außerhalb von Shopify Payments, die Werbeausgaben auf Meta, Google und TikTok und die Fixkosten. Genau diese Positionen entscheiden aber, ob ein Monat mit gutem Umsatz auch ein Monat mit Gewinn war.
Die häufigsten Fehler
- Mit Umsätzen inklusive Umsatzsteuer rechnen: Jede Marge sieht dann um etwa ein Sechstel besser aus, als sie ist.
- Retouren auf den Bestelltag buchen: Abgeschlossene Monate verändern sich nachträglich, und kein Monat ist mit dem vorigen vergleichbar.
- Zahlungsgebühren nur auf behaltene Bestellungen rechnen: Eine Erstattung gibt die Gebühr nicht zurück.
- Einstandspreise einfach überschreiben: Ein neuer Einkaufspreis gilt ab seinem Datum, ältere Bestellungen behalten den alten.
- Werbekosten nach dem Datum der Bestellung verteilen statt nach dem Tag, an dem sie ausgegeben wurden: Dann passt die Werbung nie zum Monat, in dem sie bezahlt wurde.
Den Gewinn jeden Tag statt einmal im Monat
Die neun Schritte lassen sich in einer Tabelle rechnen, mit Exporten aus Shopify, dem Paketdienst, den Zahlungsanbietern und den Werbekonten. Das dauert, und es passiert deshalb meist einmal im Monat. nouz rechnet dieselben Schritte jeden Tag automatisch: Es holt alle Bestellungen aus Shopify, die Werbekosten aus Meta, Google und TikTok, und rechnet sie mit den eigenen Kosten für Ware, Versand, Gebühren und Fixkosten zu einer Gewinn- und Verlustrechnung mit 34 Zeilen. Jede Kostenangabe gilt ab ihrem eigenen Datum, sodass eine Änderung nie die Vergangenheit umschreibt. Die Oberfläche ist englisch, die Zahlen stehen im deutschen Format. Es gibt 14 Tage kostenlos, danach kosten die Pläne Base $55, Pro $115 und Scale $289 im Monat (etwa €49, €99 und €249); Base deckt bis zu 500 Bestellungen im Monat, Pro und Scale haben kein Bestelllimit. Alle Details stehen bei den Preisen von nouz.